Litang
Noch immer bin ich auf dem Weg nach Yunnan Provinz und haenge in den kleinsten Doerfern, aber in Litang gibt es ausnahmsweise mal ein Internetcafe, so dass ich die Gelegenheit nutzen moechte ;) .
Unser erster Zwischenstopp (Kanding) war nicht so besonders, ausser dass man den tibetischen Einfluss deutlich zu spueren bekam. Die meisten Menschen tragen traaditionelle Kleidung, aber ansonsten war Kangding noch recht staedtisch. Anders hingegen verhielt sich das mit Tagong.
Tagong ist ein kleines Dorf, mitten in den Bergen des Himalaya gelegen, in dem es nur eine Strasse gibt. Die Menschen sind durchweg tibetisch gekleidet, man wird mit der tibet. Grussformel "tashe delek" begruesst und allein an der Tatsache, dass es keine Strassennamen mehr gibt merkt man, dass man weit abseits der Stadt ist.
Wir haben in Tagong ein ganz suesses Gaestehaus gefunden mit bezaubernden Gastgebern. Da es keine Heizung gibt (und in unserem Zimmer fehlte sogar ein Fenster), war es abends zwar frostig kalt, aber irgendwie uebersteht man das dann auch :) . Die Atmosphaere dort war jedenfalls toll! Wir haben abends zusammen gesessen und Karten gespielt, die Gastmutter war damit beschaeftigt uns gruenen Tee oder Yakbuttertee ("no thanks") nachzuschuetten und wenn wir alle zufrieden waren, hat sie uns tibetischen Tanz oderFotos gezeigt. Ich habe die Zeit dort sehr genossen! Da macht es auch nichts, dass man weder Dusche noch fliessend Wasser hat oder dass es nur ein Plumpsklo im Garten gibt - man gewoehnt sich wirklich an Vieles! In der ersten Nacht musste ich ca. 5 mal zum "WC" und jedesmal raus in die Kaelte, den schweren Holzbalken von der Tuer entfernen um den Weg zu diesem Plumpsklo frei zu bekommen. Aber es geht. Das Wasser zum waschen wurde aus dem Brunnen geschoepft und ich muss sagen, dass es das sauberste Wasser war, was ich bislang gesehen habe!
Soviel also zum Gasthaus.
Leider war ich den ersten Tag in Tagong krank, so dass ich nicht viel unternehmen konnte. Am naechsten Tag habe ich das dann nachgeholt, als ich mit einer anderen Reisenden jenen Platz in den Bergen aufgesucht habe, an dem die tibet.Buddhisten die "Himmelsbeerdigungen" abhalten. Der tote Koeper wird dabei aufgeschlitzt und an Aasfresser verfuettert, die zuvor mit bestimmter Musik angelockt werden. Der Name "Himmelsbeerdigung" kommt wohl daher, weil der Koerper in den Himmel getragen wird. Zurueck bleiben nur Kleidung, Knochen, Haare und Schmuck der Person. Fuer uns ist die ganze Zeremonie ziemlich befremdlich und etwas eklig, aber vermutlich waere es auch zu viel verlangt, wenn man sich problemlos in andere Kulturen versetzen koennte. Ein anderer Grund, wieso die "Beerdigung" aus diese Weise stattfindet ist auch ein oekonomischer: Holz ist rar und wertvoll und wird daher nicht "einfach so" verbrannt. Zudem ist der Boden meist frostig und es ist somit schwer, ein Feuer zu zuenden. Die Aasfresser hingegen gelten als heilige Voegel und ihnen wird damit die Aufgabe zugeteilt, die Toten in den Himmel zu tragen.
Ich habe also einen solchen Platz aufgesucht, aber ich muss sagen, dass ich den Platz selbst - auf dem also saemtliche Rueckstaende aufzufinden waren - weniger unheimlich fand, als die Einladung einer Nonne in ihr kleines Haus gleich neben der Beerdigungsstaette. Zum einen fand ich den Gedanken gruslig, dass sie in ihrem kleinen Haus mitten in den Bergen wohnt, gleich neben dem Platz wo staendig Leute zermetzelt werden und zum anderen war mir ein wenig unheimlich, als sie schliesslich ihre Trommel und weitere Intrumente herausholte und ein mind. 20 minuet. Mantra herunterbetete. Mir war nicht ganz wohl dabei. Anschliessend hat sie uns dann zum Tee bzw. Yakbrei ("No thanks") eingeladen und wir sind noch eine Weile geblieben. So sehr ich das Erlebnis im Nachhinein auch schaetze, ich war an dem Abend doch erleichtert, als ich gehen konnte. Ich bin mir immer unsicher, was die andere Person von mir moechte und in diesem Fall war es nunmal eine Nonne, die uns Einlass in ihr Haus gewaehrte und ihre "heiligsten" Dinge zeigte. Ich wuesste damit nichts so recht anzufangen, aber ich denke im Nachhinein, dass sie sich einfach ueber Gaeste freute und nichts weiter dabei gedacht hat.
Am naechsten Tag sind wir dann weiter gefahren. An der Tatsache, dass morgens die Pferde und Yaks auf den Marktplatz kommen und man sie selten hinter Zaeunen sieht, merkt man auch, dass man in einem Dorf ist...
Jetzt sind wir also in Litang und es wird noch ein paar Tage dauern, bis wir in Yunnan-Provinz angekommen sind. Einerseits geniesse ich diese Doerfer und die Tibeter, die sehr freundlich sind und mich z.T. an Cowboys oder Indianer erinnern, andererseits merke ich doch, dass ich ein Stadtmensch bin ;) . Ich vermisse die Unabhaengigkeit ein wenig und dass ich jederzeit das Dorf verlassen kann, wann ich moechte ;) . Hier gibt es naemlich nur einen Bus in der Frueh und wenn man diesen verpasst, dann war es das wohl fuer den Rest des Tages. Kurze Strecken kann man sicherlich auch miit privaten Autos zuruecklegen, indem man einfach einen Preis verhandelt, aber fuer laengere Strecken ist das keine Option. Zudem kann es passieren, dass man in privaten Autos ein ca. 10 - Jahre altes Kind als Fahrer vorfindet oder dass man kein Auto findet und man zu dritt mit einem Motorrad vorlieb nehmen muss....Jaja, ist alles schon passiert :)....
Allerdings habe ich ziemliches Glueck, dass ich trotz 4000 Metern Hoehe kaum Beschwerden habe! Andere Reisende mussten schon umkehren, weil sie auf Grund der Hoehe von Kopfschmerzen geplagt waren. Ich bemerke lediglich meine Kurzatmigkeit (die Luft hier oben ist halt schon recht duenn ;) ) und dass meine Shampooflasche aufploppt, weil zu viel Druck drin ist. Aber ansonsten kann mir die Hoehe nichts antun :).....

2 Comments:
huhu!
kurz mal meld - verfolge gespannt deine berichte! viel freude und viele tolle erlebnisse weiterhin wünscht dir
lia
ps: und pass auf dich auf!
12:42 am
hey bienchen!!
hoert sich spannend an was du da so machst! bin grad in Manila wieder wegen der Arbeit..geh gleich auf ne stadttour, da freu ich mich schon drauf..Ich schreib dir bald mal ne lange mail..haette ich schon mal viel frueher machen sollen, aber die arbeit stresst mich echt! denk aber ganz oft an dich!! drueck dich!
5:02 pm
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