Stecke nie den Kuli in den Fotoapparat
So, da sim' ma wieder! Nun, was haben wir heute wieder angestellt?
Zuerst ein erneuter Versuch zu lernen. Langsam komme ich mir blöd dabei vor - wenn es gestern nicht geklappt hat, wieso sollte es heute klappen? Ich fühle mich wie ein Kind, was nach dem 10. Mal heißer Herdplatte wieder drauf packt und einfach nicht begreift, dass man das nicht tun soll. Lernen soll man auch nicht. Das schadet dem Sozialleben.
Ich stehe derzeit also vor der Wahl:
1.) bleibe ich einsam und werde klug? oder
2.) bleibe ich doof und habe Spaß?
einsam gegen Spaß
doof gegen klug
Ich möchte mich nicht weiter dazu äußern. In Anbetracht aber, dass jeder nur ein Leben hat, halte ich Spaß für den wichtigsten Faktor. Das ist aber nur ein dezenter Hinweis im Rahmen meiner Lernfortschritte.
Nachdem ich also 2 Stunden am Schreibtisch saß (davon 1 1/2 Stunden Kaffee-trinkend - die ersten 5 Tassen, wie jeden Morgen...)...habe ich beschlossen, dass ich eine Pause einlegen sollte.
Pausen wollen natürlich sinnvoll genutzt sein.
Man merke: CARPE DIEM/SEIZE THE DAY und verschwende keine Zeit, denn Zeit ist kostbar und time is money - besonders für den Doktor, der nämlich an folgender Tetanusimpfung in den linken Armmuskel wieder 10 Tage Abendbrotgeld verdient hat. Zuerst war ich ganz irritiert, als mich die Sprechstundehilfe bat, den Armmuskel frei zu legen - *wow*, die Frau findet, ich habe Muskeln..., aber dann habe ich einfach nicht weiter darüber nachgedacht. Die Suche nach meinem Muskel hätte mich eh überfordert. Und so früh am Morgen (war ja erst 11 Uhr) hätte ich das nicht geschafft.
Der Tag nahm dann den üblichen Lauf, daher spare ich mir Details.
Am Abend habe ich mich dann fortgebildet, was meine fototechnischen Kenntnisse anbelangt. Ich griff zum Apparat und habe einfach wild durch die Gegend geschossen - ihr wisst schon, so wie das die Profis im Fernsehen immer machen!
Fokussieren, Knippsen, Fokussieren, Knippsen, Fokussieren..dann mal angestrengt durch die Haare streifen und weiter...bis der Film voll ist.
Soweit so gut. Fühlte mich richtig gut, nachdem ich diese Aufgabe also bewältigt hatte.
Leider hielt die Stimmung nicht allzu lange, denn an folgender Aufgabe war ich bereits zwei Mal gescheitert: wie bekommt man den Film aus einer Spiegel-Reflex-Kamera ohne ihn zu zerreißen?
Ich hatte mich natürlich bestens informiert und wusste mittlerweile, dass es unten am Apparat eine Versenkung geben würde - diese muss man noch tiefer eindrücken, damit die Spule im Apparat frei gegeben wird. So leicht ist das! Ich habe mich dann mit entsprechendem Werkzeug ausgestattet:
-Kuli von der Marke BIC - das sind diese Billigdinger, die es meist im 100er Pack gibt, die aber verdammt gut schreiben, sowie
-Bleistift mit austauschbarer Mine - die haben genial feine Minen, damit kommt man in die engsten Vertiefungen.
Der Bleistift war zuerst garnicht nötig, da der Kuli optimale Leistung brachte. Irgendwas macht *krz* und der Film ließ sich kurbeln....ca. einen Zentimeter...dann machte es wieder *krz krz* und das kam mir komisch vor. Dann wurde das Kurbeln schwieriger und nach dem fünften *krz* hielt ich es für eine gute Idee, den Kuli nochmals fester in die Vertiefung zu drücken. Dann machte es einmal kurz *krzä* und nichts weiter passierte. Dachte ich. Bis ich dann festgestellt hatte, dass meine Kulimine abgebrochen und in der Vertiefung steckte...*grummel*...ich habe mich dann erstmal mit einem *das passiert dem besten Profi* getröstet und nach Abhilfe gesucht. Hatte ja noch meinen Bleistift. Ha! Damit würde ich das Problem lösen!
Gut, ich gebe ja zu, es war etwas naiv, den recht unstabilen Bleistift und diese sehr dünne Mine auch noch in die Verstiefung zu stecken. Ich hatte mir auch vorher schon überlegt, dass diese Mine vielleicht doch ein wenig zu schwach sein würde, dem ganzen Stand zu halten...aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Das gilt auch für Bleistiftminen! Finde ich! Also musste sie ran....
Nun mache ich's kurz, weil das der frustrierende Part ist: die Mine brach auch noch, steckte auch noch, ich war hilflos, schaute mich um, drehte und wendete und schüttelte die Kamera zehn Mal und bekam dann die Erleuchtung, dass ich vielleicht die falsche Vertiefung genommen hatte, weil auf der anderen Seite noch eine war - diese sogar leicht erreichbar und mit einem Knopf...den drückte ich und siehe da *KlicK* - Musik in meinen Ohren! Der Film ließ sich wieder spulen!
Die Ansammlung der Minen in meiner Kamera störten mich zwar nicht weiter, aber ich habe sie dann trotzdem noch mit Schere, Pinzette und Stricknadel entfernt bekommen :) .
Und ich bin stolz, dass ich es geschafft habe, einen Film zu belichten, ihn nicht zu zerreißen und ihn aus der Kamera unbeschadet zu entfernen. Yeah me!
Ich bin zwar jetzt einen Kuli und einen Bleistift ärmer, aber eine Erfahrung reicher :)
Stecke niemals dein Schreibzeug in den Fotoapparat!

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